Diese Frage dürften sich viele stellen, die einen Ohrwurm oder mehrere Ohrwürmer in ihrem Garten entdecken. Sollte man sie bekämpfen oder vielleicht lieber umsiedeln? Und warum heißt der Ohrwurm eigentlich Ohrwurm?
Fest steht: Den einen, typischen Ohrwurm gibt es nicht. Vielmehr leben weltweit mehr als tausend Arten. Viele Vertreter sind nicht nur in den warmen Gebieten dieser Erde beheimatet, sondern auch in Deutschland.
Sicherlich auch aufgrund ihres Namens müssen sich die Tiere gegen zahlreiche Vorurteile zur Wehr setzen. Sie sind nicht dazu in der Lage, in menschliche Ohren zu kriechen und hier ihre Eier abzulegen beziehungsweise Bisswunden zu verursachen. Der Begriff „Ohrwurm“ stammt wahrscheinlich daher, dass die Tiere früher getrocknet und pulverisiert wurden, um im medizinischen Bereich gegen Ohrenbeschwerden eingesetzt zu werden.
Diejenigen, die vielleicht schon ihr ganzes Leben lang Sorge haben, ein Ohrwurm könnte ihnen ins Trommelfell beißen, können dementsprechend aufatmen. Aber welche Auswirkungen haben Ohrwürmer beziehungsweise Ohrenkneifer eigentlich im Garten? Sind sie schädlich oder vielleicht doch sogar nützlich? Die folgenden Abschnitte liefern Antworten auf diese und weitere Fragen.
Ohrenwürmer bzw. Ohrenkneifer erkennen
Ohrwürmer zeichnen sich, ebenso wie Drahtwürmer, durch eine vergleichsweise charakteristische Optik aus und sind dementsprechend auch vom Laien meist leicht zu erkennen. Sie erreichen in der Regel eine Größe zwischen 12 und 17 Millimetern. Ihr Körper ist in der Regel braun bis schwarz, manchmal jedoch auch etwas heller, mit rötlichen Akzenten. Sicherlich sind auch die gut erkennbaren Beißwerkzeuge einer der Gründe dafür, dass so viele Menschen Angst vor Ohrenwürmern haben. Diese sind aber zu schwach, um die menschliche Haut wirklich zu durchdringen und hier schmerzhafte Spuren zu hinterlassen. Manche Ohrwürmer sind dazu in der Lage zu fliegen, andere nicht. Am Ende des Hinterleibs befinden sich zwei Zangen, mit denen sich Ohrenkneifer gegen ihre Feinde zur Wehr setzen können.
Der Umstand, dass die Tiere – zumindest scheinbar – nicht allzu häufig in Erscheinung treten, ist der Tatsache geschuldet, dass sie nachtaktiv sind. Erst mit Einbruch der Dunkelheit kommen sie aus ihren Verstecken. Hier legen sie auch im Frühling ihre Eier ab. Jüngere Ohrenwürmer sind etwas heller als die erwachsenen Tiere und meist deutlich kleiner.
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Ohrwürmer als Nützlinge im Garten
Es hat definitiv seinen Grund, warum vor allem Hobby- und Profigärtner das teilweise schlechte Image, das Ohrenkneifer verfolgt, nicht wirklich verstehen können. Denn: Sie ernähren sich nicht nur von verschiedenen Pflanzen, sondern auch von anderen Tieren – unter anderem von Blattläusen. Zudem fressen sie auch mit Vorliebe die Eier von Gespinstmotten und verschiedenen Milbenarten.
Wer dementsprechend eine mehr oder weniger große Population an Ohrenwürmern in seinem Garten vorweisen kann, muss sich meist keine größeren Sorgen darüber machen, dass Blattläuse und andere Schädlinge die Pflanzen in der näheren Umgebung befallen würden. Ein weiterer Vorteil: Ohrenkneifer fressen unter anderem auch Pilzgeflechte und sind dementsprechend dazu in der Lage, befallene Pflanzen bis zu einem gewissen Grad wieder befreien zu können.
Der Vollständigkeit halber sei jedoch erwähnt, dass der Speiseplan eines Ohrenkneifers noch etwas vielseitiger ist. Und genau dieser Punkt sorgt dafür, dass auch einige Menschen den Ohrenwürmern skeptisch gegenüberstehen. Weitere Informationen hierzu finden sich im Abschnitt „Ohrenwürmer als Schädlinge im Garten“.
Ohrwürmer anlocken – so geht’s
Haben sich nur einige wenige Ohrwürmer im Garten niedergelassen, stellt es in der Regel kein Problem dar, diese zu ignorieren. Immerhin können sie, wie bereits erwähnt, dafür sorgen, dass verschiedene Schädlingspopulationen auf natürliche Weise bekämpft werden oder überhaupt nicht erst entstehen. Spätestens dann jedoch, wenn die Anzahl an Ohrenkneifern ein bedenkliches Maß erreicht hat, gilt es, zu reagieren. Am einfachsten ist es, die Tiere mit einem kleinen Trick anzulocken.
Wie auch im Zusammenhang mit Fallen für andere Schädlinge beziehungsweise Nützlinge ist es im ersten Schritt wichtig, sich mit den persönlichen Vorlieben der Ohrwürmer auseinanderzusetzen. Wer sich ein wenig genauer mit ihrer Lebensweise beschäftigt, erkennt schnell, dass Ohrenkneifer gern schattige bis dunkle Orte aufsuchen, um sich hier über den Tag hinweg zurückzuziehen. Ein Behältnis, das mit Holzwolle oder einem ähnlichen Material aufgefüllt wurde, wird oft gern als Rückzugsort in Anspruch genommen. Besagtes Behältnis sollte direkt im Beet aufgestellt werden, so dass die Ohrenkneifer keine längeren Wege in Anspruch nehmen müssen. Wenn sich dann einige Tiere in der Falle versammelt haben, lassen sie sich ganz einfach an einen anderen Ort umsiedeln.
Ohrwürmer als Schädlinge im Garten
In manchen Bereichen stoßen die Interessen von Ohrenkneifern und Gärtnern aufeinander. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich zeigt, dass die Ohrwürmer nicht nur Schädlinge, sondern mit Vorliebe auch gerne Obst und Gemüse fressen. Gerade dann, wenn viele Ohrwürmer auf einer vergleichsweise kleinen Fläche leben, zeigen sich die Auswirkungen schnell an den entsprechenden Bissspuren.
Und auch vor Zierpflanzen machen die Tiere nicht Halt. Sie sind nicht besonders wählerisch und ernähren sich dementsprechend von dem, was der jeweilige Garten hergibt. Genau das kann ab einem gewissen Grad frustrierend sein. Doch keine Sorge! Es gibt einige Möglichkeiten, Ohrwürmer zu vertreiben beziehungsweise loszuwerden.
Ohrwürmer vertreiben – so wirst du sie los
Dass es grundsätzlich nicht schwer ist, Ohrwürmer umzusiedeln, wurde bereits im Abschnitt „Ohrwürmer anlocken – so geht’s“ erwähnt. Es gibt jedoch noch weitere Möglichkeiten, sich einer Vergleichsweisen großen Ohrwurmpopulation zu entledigen. Auch die folgenden Tipps können weiterhelfen:
- Eingeleimte Bereiche
Wer die Orte kennt, an jenen sich Ohrenkneifer im Beet mit Vorliebe aufhalten, kann versuchen, mit Leimstreifen zu arbeiten. Die verschiedenen Elemente werden zwischen den Pflanzen ausgelegt und sorgen dafür, dass die Ohrenkneifer hier kleben bleiben.
- Diejenigen, die das oben erwähnte Behältnis mit der Holzwolle nicht zur Hand haben, können auch versuchen, einen leicht angefeuchteten Lappen in einem Schuhkarton zu platzieren. Vor allem im Sommer dürften sich die Tiere über den dunklen Ort mit der vergleichsweise hohen Luftfeuchtigkeit freuen. Haben sich ausreichend viele Ohrenwürmer hier versammelt, können sie tagsüber an einen anderen Ort gebracht werden.
- Die meisten Ohrenkneifer sind vergleichsweise empfindlich gegenüber beißenden Gerüchen, wie zum Beispiel dem Duft, der von Essigessenz verströmt wird. Oft reicht ein Glas neben einer befallenen Pflanze aus, um dafür zu sorgen, dass die Tiere Reißaus nehmen.
Wichtig: Bevor entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, ist es sinnvoll, sich einen Überblick über das Problem zu verschaffen. Denn: Es gibt viele Schädlinge, die ähnliche Spuren wie Ohrenwürmer hinterlassen können. Daher gilt es, im ersten Moment zu klären, ob tatsächlich Ohrenkneifer für die Probleme im heimischen Garten beziehungsweise im Beet verantwortlich sind oder ob eine andere Ursache dazu führt, dass Obst, Gemüse und die Blätter von Zierpflanzen auf einmal angebissen werden.
Fazit
Ohrenkneifer sind, genauso wie Ameisen, definitiv besser als ihr Ruf. Wenn es darum geht, sich zum Beispiel mit natürlichen Feinden gegen Blattläuse oder andere Schädlinge zur Wehr zu setzen, zeichnen sie sich durch ein besonders hohes Maß an Effektivität aus. Zudem vermehren sie sich nicht so schnell wie viele andere Gartenbewohner, die dazu in der Lage sind, Pflanzen nachhaltig zu schädigen.
Dennoch ist es ab einem gewissen Grad wichtig, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Schäden, die durch Ohrenwürmer hervorgerufen werden können, nicht überhandnehmen. Wer möglichst tierfreundlich agieren möchte, sollte die Insekten in eine Lebendfalle locken und sie einfach umsiedeln. Das Arbeiten mit Leimelementen gilt ebenfalls als besonders effektiv, hat jedoch in der Regel zur Folge, dass die – eigentlich auch nützlichen – Tiere sterben.
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